geschrieben von heike fritz

Das globale Insektensterben hat dem „Insektenatlas“ zufolge dramatische Ausmaße angenommen. Eine mögliche Folge: Ein Ernterückgang von bis zu 90 Prozent bei manchen Obst- und Gemüsesorten.

Hauptsächliche Ursachen für das weltweite Insektensterben sind fehlender Lebensraum, fehlende Nahrung und dazu noch Gift – heißt es im ersten „Insektenatlas“ der Heinrich-Böll-Stiftung und des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Umweltschutzorganisation BUND und die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung mahnen in der Publikation dramatische Rückgänge bei Insektenpopulationen weltweit an. „Das ist umso dramatischer, als Insekten eine der fundamentalen Lebensgrundlagen unserer Welt sind“, sagte Barbara Unmüßig, Stiftungsvorstand, bei der Vorstellung der Erhebung in Berlin.

Dafür, dass die Zahl der Insektenarten und die der Insekten insgesamt rückläufig ist, gibt es dem Atlas zufolge zahlreiche Belege. So seien etwa bei der Hälfte der 561 Wildbienenarten in Deutschland die Populationen rückgängig. Zugleich sei „ein sehr großer Teil der Pflanzenwelt“ auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Bei einem Wegfall drohe bei zahlreichen Obst- und Gemüsesorten wie Äpfeln, Kirschen, Pflaumen oder Gurken ein Ernterückgang von bis zu 90 Prozent. Landwirtschaft und somit die Ernährung von Milliarden von Menschen seien untrennbar mit den Insekten verknüpft. Unzählige landwirtschaftliche Kulturpflanzen profitierten von Insekten als Bestäuber, betonte Unmüßig. So werde die Bestäuberleistung von Insekten in der weltweiten Agrarwirtschaft mit 200 bis 600 Milliarden US-Dollar beziffert. Ohne ihre Leistung würden Obst und Gemüse zur Mangelware.

Doch ausgerechnet die industrielle Agrarwirtschaft und der damit verbundene Einsatz von Pestiziden seien der Hauptgrund für die Zerstörung der Lebensgrundlagen für Insekten, so Unmüßig. Unmüßig verwies dabei darauf, dass mit der Bayer AG und BASF neben Syngenta und DowDuPont gleich zwei deutsche Unternehmen zu den weltweit vier größten Pestizidherstellern zählten. Diese würden in der EU längst verbotene oder nicht mehr lizenzierte Pestizide weiter global verkaufen. „Mit dem Resultat, dass in Kenia fast 50 Prozent der Pestizide hochtoxisch für Bienen sind und in Brasilien über 30 Prozent“, sagte Unmüßig.

Der Atlas liefert in 20 ausführlichen Kapiteln – eines davon widmet sich der Imkerei – Daten und Fakten über Nützlinge und Schädlinge in der Landwirtschaft. Zugleich formuliert er Kritik an der zu zögerlichen Politik und stellt konkrete Forderungen zum Insektenschutz bei der 15. Weltnaturschutzkonferenz im Herbst im chinesischen Kunming.
Der Insektenatlas kann unter www.boell.de/de/2019/12/18/insektenatlas kostenlos heruntergeladen werden.