geschrieben von heike fritz (editiert)

Feinstaub belastet nicht nur die Gesundheit des Menschen: Auch Honigbienen bekommen womöglich Probleme mit Herz und Immunsystem, zeigt eine Studie aus Indien.

Wird über die gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung debattiert, steht meist der Mensch im Fokus. Doch auch Tiere leiden, wenn sich große Mengen an Feinstaub oder Stickoxiden in der Luft sammeln. Und das kann am Ende ungemütliche Konsequenzen für die Menschheit haben. Darauf deutet eine Studie an Honigbienen hin, die Wissenschaftler um Geetha G. Thimmegowda vom National Centre for Biological Sciences im indischen Bengaluru durchführten und nun im Fachmagazin »PNAS« veröffentlichten.

In Indien befinden sich inzwischen zahlreiche jener Städte mit den höchsten Feinstaubwerten weltweit. Thimmegowda und ihre Kollegen untersuchten, welchen Effekt das auf die in Asien heimische Riesenhonigbiene (Apis dorsata) hat. Dazu sammelten sie im Verlauf von vier Jahren insgesamt 1800 wild lebende Bienen aus verschiedenen Ecken von Bengaluru ein und unterzogen sie anschließend einem ausführlichen Gesundheits-Check-Up.

Blütenbesichtigung und Überlebensstudien an der Asiatischen Riesenhonigbiene. (A) Untersuchungsgebiet und 34 ausgewählte Standorte. R = ländlich, L = gering, M = mäßig und H = stark verschmutzter Standort. (B) A. dorsata, die Asiatische Riesenhonigbiene . (C) PM10-Messungen in µg/m3 über den 3-jährigen Untersuchungszeitraum. [R, n = 78; L, n = 115; M, n = 103; H, n = 118; (D) Durchschnittliche Anzahl Bienen pro Tag, die bei der Futtersuche an 20 Tecoma stans-Blütenständen (Trompetenblume) über 5 Minuten beobachtet werden [n = 400 Blütenstände/Stelle (E) Test für das prozentuale Überleben von gefütterten Bienen unter Laborbedingungen nach 24 Stunden (n = 50/Stelle). Streupunktdiagramme mit Fehlerbalken stellen den Mittelwert ± SD dar.

Probleme mit Herz und Immunsystem

Bienen, die in Regionen mit hohen Feinstaubwerten lebten (in diesem Fall gemessen an der Konzentration von PM10, also Partikeln mit einer Größe von maximal 10 Mikrometern), waren auch häufiger mit entsprechenden Partikeln besprenkelt, die toxische Schwermetalle enthielten. Sie wiesen öfter einen unrhythmischen Herzschlag auf und hatten eine niedrigere Konzentration von Zellen im Blut, was unter anderem auf ein geschwächtes Immunsystem hindeutet. Zudem waren bei ihnen bestimmte Gene aktiver, die genauso mit dem Immunsystem und mit Stress in Verbindung stehen. Ähnliche Phänomene konnten die Wissenschaftler bei Taufliegen entdecken, die sie im Labor züchteten und ebenfalls einer erhöhten Luftverschmutzung aussetzen.

Außerdem stellten Thimmegowda und ihr Team fest, dass die Bienen aus den stark belasteten Bereichen Bengalurus auch weniger Blüten besuchten als ihre Artgenossen aus Gebieten mit geringerer Luftverschmutzung. Zudem starben mehr als 80 Prozent der Bienen bereits innerhalb von 24 Stunden, nachdem die Wissenschaftler sie eingesammelt hatten.

Morphologie und Toxikologie bei der Asiatischen Riesenhonigbiene (R = ländlich, L = gering, M = mäßig und H = stark verschmutzter Standort). REM-Aufnahmen von Anhängseln der Asiatischen Riesenhonigbiene mit RSPM von niedrigen und hohen Standorten. [(A und B) bar = 100 μM] Teil der Flügel. [(C und D) bar = 2 μM] Antennenabschnitt. [(E und F) bar = 20 μM] Abschnitt des Hinterbeins (3.650-fache Vergrößerung für Antennen und Beine, 350-fache Vergrößerung für Flügel). (G-I) Lichtmikroskopische Aufnahmen von Flügel (Balken = 2 mm), Antennen (Balken = 9 mm) und metathorakalem Bein (Balken = 2 mm) (10-fache Vergrößerung). Streupunktdiagramme mit Fehlerbalken stellen den Mittelwert ± SD dar.

Die Riesenhonigbiene hat eine enorme Bedeutung für Indiens Ökosystem und Nahrungsmittelbranche. So produzieren die Bienen rund 80 Prozent des Honigs, der in Indien hergestellt wird und bestäuben allein im Bundesstaat Karnataka im Südwesten des Landes mehr als 680 verschiedene Pflanzen. Da Indien einer der größten Obst- und Gemüseexporteure der Welt ist, würde eine schwächelnde Bienenpopulation auch den Menschen empfindlich schaden.

Die Forscher fordern deshalb, dass sich mehr Studien mit den Auswirkungen der Luftverschmutzung auf Tiere und Umwelt befassen sollten. Bemühungen, die Feinstaubkonzentration zu senken, dürften nicht nur die Gesundheit des Menschen als Maßstab verwenden.

Quelle: 1; 2 Titelbild: 1