von heike fritz (editiert)

Nicht nur die Menschen zieht es in die Städte – auch die Hummeln fühlen sich dort mittlerweile pudelwohl. Und den Stadthummeln sieht man ihr Cityleben mittlerweile sogar an, sie werden immer größer.

Wer in der Stadt lebt, hat es einfach raus. Größer, besser, effizienter. Die Rede ist hier übrigens von Hummeln, nicht dass Missverständnisse aufkommen. Die Stadthummeln sind den Land-(Ei-)Hummeln überlegen, vor allem weil sie größer sind. Das haben Antonella Soro und Panagiotis Theodorou herausgefunden, beide Zoologen an der Universität Halle. Und die Größe hat viele Vorteile für die Stadthummel.

Sie sammelten 1.800 Hummeln aus neun Großstädten und ihrem Umland ein und vermaßen sie. Dabei konzentrierten sie sich auf drei in Deutschland häufig vorkommende Arten: die Steinhummel (Bombus lapidarius), die Ackerhummel (Bombus pascuorum) und die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris). Außerdem beobachteten die Forscherinnen und Forscher an jedem der insgesamt 18 Standorte, wie oft Hummeln eigens gezüchtete und vor Ort ausgesetzte Rotkleepflanzen besuchten. Daraus wurde im Anschluss die Bestäubungsleistung berechnet.

Die Körpergröße steht im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel eines Organismus und ist auch ein Indikator für Lebensdauer und Leistungsfähigkeit von Lebewesen. „Größere Hummeln können besser sehen, besser lernen und haben ein größeres Erinnerungsvermögen. Sie werden auch seltener von Fressfeinden attackiert und können weitere Distanzen zurücklegen. Das bedeutet, dass sie pro Flug mehr Blumen anfliegen können, mehr Pollen transportieren und so bessere Bestäuber sind“, heißt es in der Studie. Die größeren Hummeln verfügten über größere Muskeln und größere Flügel. Sie könnten daher besser mit Wind umgehen und sich besser um Hindernisse herum manövrieren. Die Vorstellung von einer dünnen, agilen, windschnittigen Hummel ist also falsch. Ganz im Gegenteil: Je größer die Hummel, desto besser und weiter kann sie fliegen. Und desto besser könne sie auch bestäuben, erklärte Panagiotis Theodorou.

Zugleich zeigten frühere Studien, dass größere Hummeln mehr Pollen mit sich führen. Das sei effizienter sowohl für die Bestäubung als auch den eigenen Verbrauch, betonte der Hallenser Zoologe weiter. Im Schnitt seien Stadthummeln vier Prozent größer als die Verwandten vom Land. Vor der Untersuchung sei das Ergebnis nicht klar gewesen, ergänzte seine Kollegin Antonella Soro. Denn es gäbe gute Gründe, dass Hummeln in der Stadt kleiner sein sollten als ihre Artgenossen auf weiter Flur. Einer davon sei, dass große Hummeln etwa Probleme mit Hitze hätten.

Die Hummeln müssten ihre Temperatur stärker regulieren und das koste sie Energie. In heißen Umgebungen – wie in Städten – sei es daher effizienter, klein zu sein. In Stadtzentren, wo es am wärmsten ist, wäre es also eigentlich vorteilhafter, klein zu sein. Dennoch sind die Tiere größer. Es müsse also einen wichtigeren Grund geben, dass sich Hummeln anders entwickeln. Den fanden die Forscher schon heraus: Verglichen mit modernen landwirtschaftlichen Flächen gebe es in der Stadt mehr grüne Flächen. Oft seien die Parks aber weit voneinander entfernt, so dass es nur größeren Hummeln gelingt, die Distanzen zu überwinden. In der Studie wurde die Größe der Hummel in Zusammenhang mit dem Grad der Fragmentierung in den Städten gesetzt. Heraus kam eine eindeutige Verbindung zwischen der Menge der Straßen und der Größe der Hummeln. Auch wenn die Lebensbedingungen also nicht optimal sind, könnten sich die Tiere ihrer Umgebung anpassen, betonte Soro. Die Evolution gehe weiter – aber nicht ewig:

„Hummeln können ja nicht zu Drei-Meter-Super-Monster-Hummeln werden. Also sollten wir die Tatsache, dass sie wachsen, eher als Warnsignal werten. Sie reagieren auf Fragmentierung, aber das bedeutet eben auch, dass sie gestresst sind. Also darf die Fragmentierung der Städte nicht weiter voranschreiten, so weit nämlich, dass Hummeln irgendwann damit nicht mehr zurechtkommen.“


In den Städten sollten deshalb Grünflächen erhalten und zugleich weniger bewirtschaftet werden. Je länger eine Wiese blühen kann, desto mehr Insekten könnten dort leben. Darüber hinaus könnten Stadtplaner Parks und Wiesen durch Alleen, begrünte Fassaden und Dächer miteinander verbinden. Das komme nicht nur den Insekten, sondern auch den Menschen zugute, weil solche „grünen Korridore“ auch kühle frische Luft in die Stadt transportierten. 

Quelle: 1, 2, 3 Bild: 1, 2, 3 Wilhelm Ostermann, 4